Good Omens 2

Bild: Amazon Studios

Nach dem Erfolg der ersten Staffel hat sich Neil Gaiman dazu hinreißen lassen, einer Fortsetzung der Amazon Fantasy-Serie »Good Omens« zuzustimmen. Er selbst schrieb die Drehbücher und agierte als Showrunner. Unterstützt wurde er dabei von seinem Kollegen Douglas Mackinnon, der auch erneut die Regie der Serie übernahm. Im Gegensatz zur ersten Staffel konnte man sich keiner literarischen Vorlage bedienen. Doch Neil Gaiman, der mit Terry Pratchet gemeinsam die Buchvorlage schrieb, hatte mit letzterem bereits über eine Fortsetzung gesprochen, die er nun als Grundlage für die zweite Staffel nutzte. Die zweite Staffel, die wieder aus 6 Folgen besteht, wurde in Schottland gedreht und am 28. Juli 2023 komplett auf Amazon Prime Video veröffentlicht.

David Tennant und Michael Sheen kehren erneut als Hauptdarsteller zurück und auch andere Darsteller von Himmels- und Höllenwesen sind in ihren Rollen zu sehen. Lediglich Beelzebub wurde mit Shelley Conn neu besetzt. In neuen Rollen sind dafür Nina Sosanya als Nina und Maggie Service als Maggie zu sehen, nachdem sie in der ersten Staffel jeweils eine der Schwestern des satanischen Ordens St. Beryl gemimt haben.

Was passiert in der zweiten Staffel?

Nachdem in der ersten Staffel der Antichrist entschieden hat, dass die Apokalypse nicht stattfindet, wurden Crowley (David Tennant) und Erziraphael (Michael Sheen) von ihren jeweiligen Seiten dafür verantwortlich gemacht. Nun leben sie ihr Leben auf der Erde weiter und werden die meiste Zeit in Ruhe gelassen. Doch eines Tages taucht Gabriel (Jon Hamm) nackt in London auf und klopft an die Tür von Erziraphaels Buchladen. Der Erzengel hat offenbar sein Gedächtnis verloren und hatte das Bedürfnis in genau diesen Buchladen zu gehen.

Crowley erfährt derweil, dass Gabriel verschwunden ist und sowohl vom Himmel als auch von der Hölle gesucht wird. Als Erziraphael ihn daraufhin um Hilfe bittet, verstecken sie Gabriel vor den beiden Seiten und versuchen herauszufinden, was das Auftauchen des Erzengels zu bedeuten hat.

Beziehungen rücken in den Vordergrund

Neben der Thematik was Gut und was Böse ist, wird auch die Beziehung zwischen Erziraphael und Crowley weiter geführt. Auch wenn außerhalb der Rückblenden wenig neues passiert, bringt es sehr viel Freude, ihnen einfach dabei zuzusehen, wie sie, mal mehr mal weniger freiwillig, zusammenarbeiten. Es gibt inzwischen zwar weniger Reibungspunkte zwischen ihnen, da sie ihre Freundschaft vollkommen akzeptiert haben, aber wenn Erziraphael Crowleys Auto ausleihen will, weil er den Wagen mittlerweile als gemeinsamen Besitz betrachtet, sind Crowleys Reaktionen einfach urkomisch.

Parallel zur Beziehung zwischen dem Engel und dem Dämon wird eine weitere Liebesgeschichte gestartet, die vieles von den beiden widerspiegelt. So ist Maggie eine romantisch verklärte Frau, die sich in Nina verliebt hat und einen Plattenladen besitzt, obwohl niemand mehr Schallplatten abspielen kann – Erziraphael einmal ausgenommen. Nina auf der anderen Seite hat einen eher pragmatischen Blick auf die Welt und steckt in einer Beziehung mit einer unbekannten Frau, die offenbar eine Art Kontrollzwang entwickelt hat. Ähnlich wie Crowley ist sie auf den ersten Blick den Menschen nicht unbedingt zugetan. Dass die griesgrämige Nina nun auch noch dunkle Haut und die naive Maggie helle Haut hat, verstärkt das Bild, dass sie eine menschliche Alternative zu Erziraphael und Crowley sind nur noch mehr. Ebenso ihre Arbeit, schließlich hält Maggie im Plattenladen noch sozusagen alte Werte hoch, während Nina im Coffeeshop moderne Kunden bedient.

Stärken und Schwächen der Staffel

In Ton und Stimmung führt die zweite Staffel von Good Omens weiter, was die Erste begonnen hat. Die Fantasy-Elemente sind befremdlich genug, um aufzufallen und gleichzeitig so in die Welt eingebettet, dass der Umgang der Menschen damit größtenteils glaubhaft bleibt. Wobei einige Leute gerne hätten mehr durchdrehen dürfen, als sie mit Dämonen konfrontiert waren. Die Rückblenden auf frühere Begegnungen unserer Hauptfiguren wirft dabei wie zuvor nicht nur ein interessantes Licht auf diverse Bibelstellen, sondern konfrontiert wieder mit der Frage, wie gut die gute Seite des Himmels eigentlich ist. Hier macht die Serie es sich zwar recht einfach, die schwarz-weiße Gut gegen Böse Sicht ad absurdum zu führen, doch besonders das überhebliche und doch blauäugige Gehabe der Engel ist so skurril, dass es einfach Spaß macht. Besonders wenn Erziraphael herausfindet, was der Himmel mit Hiob und dessen Kindern vorhat.

Der Humor der Serie ist während der 6 Folgen der gleiche, der bereits in der ersten Staffel gewirkt hat. Nun muss man erwähnen, dass Humor natürlich eine subjektive Sache ist und gerade Terry Pratchett und Neil Gaiman haben ihre eigene Art des britischen Humors. Fans desselben dürften auch bei der zweiten Staffel auf ihre Kosten kommen.

Anders sieht es bei dem Spannungsbogen aus. Der ist in der ersten Staffel deutlich stärker gewesen. Während es hier nicht nur um das Ende der Welt ging und die Protagonisten aus eigener Kraft ihre Entscheidungen getroffen haben, war das Rätsel um Gabriels Gedächtnis sehr viel kleiner. Das alleine wäre durchaus genug für eine zweite Staffel, schließlich muss es nicht immer größer und heftiger werden, um spannend zu bleiben. Doch die Geschichte der ersten Staffel hatte eher das Gefühl vermittelt, dass Crowley und Erziraphael stärker eingreifen wollten. Zwar tun sie selbiges auch in der zweiten Staffel, doch weniger aus eigenem Antrieb, sondern eher, weil sie in die Situation hineingeworfen wurden. So wird die Handlung trotz sehr spannender Prämisse immer wieder stark abgelenkt und erforscht die Welt und die Charaktere. Das alleine hat natürlich auch einen Wert an sich und schlecht ist der Plot sowie die Auflösung bei weitem nicht. Nur eben nicht ganz so stark wie in der ersten Staffel.

Fazit

Wer bereits in der ersten Staffel Spaß hatte und die Protagonisten Crowley sowie Erziraphael ins Herz geschlossen hat, der dürfte auch von der zweiten Staffel nicht enttäuscht werden. Die Welt, der Humor, die Charaktere, vieles bleibt erhalten und wird logisch weitergeführt. Die Spannung kann zwar nicht ganz so gut gehalten werden, wie in der ersten Staffel, doch dafür darf man sich darüber freuen zu erfahren, wie die Welt sich weiter dreht, wenn die Apokalypse abgesagt wurde. Das Ende der Serie, denn eine dritte Staffel ist wohl nicht zu erwarten, lässt mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück. Gleichzeitig optimistisch wie traurig endet die Geschichte um dieses ungleiche Paar.


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Eine Antwort zu „Good Omens 2“

  1. Avatar von sartoriusteigan

    nices!! One Piece – Meine Meinung zur Netflix-Serie

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